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Panorama, 18.07.2012 10:36
Arzthaftung: Patienten müssten in Schlichtungsstelle vertreten sein

Der Dachverband für Soziales und Gesundheit bemängelt die Zusammensetzung der Schlichtungsstelle für Arzthaftungsfragen und regt eine Gesetzesänderung an. In der Kommission braucht es auch eine Patientenvertretung.


Mit Interesse hat der Dachverband für Soziales und Gesundheit den Bericht der Schlichtungsstelle für Arzthaftungsfragen über deren Tätigkeit zur Kenntnis genommen.

"Es ist gut, dass das Land Südtirol diese wichtige Stelle vor wenigen Jahren eingerichtet hat. Allerdings wurde leider versäumt, auch eine Vertretung der Patienten mit einzubauen", sagt Dachverband-Präsident Stefan Hofer.

Nur Ärzte und Juristen sitzen derzeit in der Kommission. Eine dauerhafte Patientenvertretung ist nicht vorgesehen. Hier besteht Handlungsbedarf beanstandet der Dachverband.
"Wir fordern, das entsprechende Gesetz so abzuändern, dass eine Vertretung der Patienten in der Kommission festgeschrieben wird. Mehr Transparenz ist notwendig. Eine Krähe hackt der anderen bekanntlich kein Auge aus", sagt Hofer.

"Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Wir wollen niemanden an den Pranger stellen. Es ist uns wichtig zu betonen, dass wir an der von der Kommission geleisteten Arbeit nichts auszusetzen haben. Es erscheint uns aber schon aus Gründen der Transparenz notwendig, die Schlichtungskommission um eine Patientenvertretung zu bereichern. Schließlich soll nichts über die Köpfe der Patienten hinweg entschieden werden. Schon gar nicht, wenn es um solch brisante Themen und heikle Fragen der Haftung in Streitfällen geht", betont Hofer.

Eventuell vorhandenes Misstrauen bei den betroffenen Patienten kann so schon von vornherein reduziert werden. Denn wenn Mediziner bei der Arbeit Fehler machen, ist das für Patienten meist eine traumatische Erfahrung. "Gerade wenn Patienten schwere Schäden davontragen, können die Betroffenen ihr gewohntes Leben oft nicht mehr weiterführen", sagt Stefan Hofer.
"Die Patienten sind heute mündiger denn je. Das Argument, sie könnten bei den komplexen Fragen rund um die Arzthaftung nicht mitsprechen, greift nicht mehr", sagt Hofer.

Deshalb empfiehlt der Dachverband dem Gesundheitswesen und dem Sanitätsbetrieb, Gremien zu schaffen, wo eine kontinuierliche Mitsprache und Teilhabe der Patientenvertretungen in gebührender Form möglich ist.